Braukunst Selektion der Riegele BierManufaktur

Er ist der Weltmeister der Biersommeliers und bezeichnet Bier als flüssige Lebensfreude. Sebastian Priller-Riegele hat mit seiner Riegele BierManufaktur in Augsburg  dieser nun ein kleines Denkmal gesetzt und eine Braukunst Selektion auf den Markt gebracht. In einer E-Mail fragt er dazu im Betreff: „Bier wie Wein? Geht das?“ Meine Neugier war geweckt und ich forderte ein Probier-Set an. Und was der Paketzusteller da brachte, ließ mein Herz höher schlagen.

Der Trend zu exklusiven Bieren ist ungebrochen, da verwundert es nicht, dass die Braukunst Selektion entsprechend edel daher kommt. Pappkarton, Begleitheft und natürlich die Etiketten der Flaschen sind unverschämt ansprechend. Farben und Typografie sind wunderbar aufeinander abgestimmt. Das Lesen macht richtig Spaß. Man wird allerdings geradezu skeptisch, ob die Biere mit den automatisch entstehenden hohen Erwartungen mithalten können.

Was mich aber am allermeisten begeistert hat: im Paket war auch ein Tasting-Glas mit einem dezenten Pferde-Emblem der Riegele BierManufaktur. Volltreffer, denn je häufiger man sich mit ausgefallenen Bieren beschäftigt, desto höher schätzt man das passende Gefäß zur Verkostung. Und ich hatte schon mehrfach mit dem Gedanken gespielt, solche zu erwerben. Die Exemplare von Braufactum waren mir allerdings schlicht und ergreifend zu teuer. Nun bin ich dank Riegele stolzer Besitzer einer formschönen Ausgabe.

Braukunst Selektion Probier-Set

Die insgesamt acht Biere der Selektion wurde in mühevoller Arbeit und mit höchsten Ansprüchen über drei Jahre lang zusammen mit Braumeister Frank Müller entwickelt. Sie tragen klangvolle Namen, repräsentieren ganz unterschiedliche Stile und sind im Spannungsfeld zwischen Fruchtig, Kräftig, Schlank und Malzig angesiedelt. In meinem Paket waren folgende vier:

  • Simco 3 „Hopfiges Lebensglück“ – ein hopfengestopftes India Pale Ale
  • Dulcis 12 „Süße Verführung“ – ein belgisches Dubbel mit Trappistenhefe
  • Ator 20 „Dunkle Versuchung“ – eine bayerische Spezialität mit starkem Malzkörper
  • Noctus 100 „Schwarzes Geheimnis“ – ein englisches Imperial Stout

Verkostung Simco 3

Vergangene Woche gab es nun den ersten geeigneten Anlass, um das erste Stück der Braukunst Selektion zu verkosten. Ich traf mich mit ein paar Freunden in Hamburg zu einer bierseligen Runde, die im Idealfall quartalsweise zusammenkommt. Neben einigen feinen Sachen aus dem Craft Beer Store auf den Schanzenhöfen, die unser Gastgeber besorgt hatte, bildete das Simco 3 unbestritten einen Höhepunkt des Abends.

Ich habe im India Pale Ale grundsätzlich einen Stil gefunden, der zwar nicht an Weizenbier herankommt, aber mit dem ich schon ein paar wirklich schöne Erlebnisse hatte. Ja, ich weiß, derzeit gibt es einen ordenlichen IPA-Hype – aber auch nicht ganz zu unrecht. Das Simco 3 bestätigt mich darin.

Simco 3

Es hat ein helles Kastanienrot bis Orange, ist etwas trüb und bildet einen feinporigen Schaum. Mit 5 % ist es leichter als viele seiner Artgenossen. Das vielschichtige Aroma stammt von den drei Hopfensorten Perle, Opal und dem namensgebenden amerikanischen Simcoe. Wie auf der Flasche beschrieben enthaltet es einen Geruch nach Mango und Aprikose. Der Antrunk ist noch nicht sehr voluminös, kündigt aber ein großartiges Bier an, der Körper wird dann vielfältig fruchtig und vollmundig. Im Abgang prickelt es etwas nach und der fantastische Geschmack bleibt lange stehen. Was mich dann restlos glücklich macht ist, der spürbare Anteil Weizenmalz.

Michael König von neubierig.de benutzt in seinem Artikel zum Simco 3 den Fachbegriff Retronasal. Ich musste erstmal nachlesen, was das eigentlich heißt. Aber nach kurzer Lektüre, weiß ich was er meint. Man kann den Aromen förmlich dabei zuhören, wie sie über den Rachenraum in die Nasenhöhle wandern. Also, wieder etwas gelernt.

Einziger Wehrmutstropfen war das fehlende Tasting-Glas. Ich hatte es ganz bewusst zuhause gelassen. Man weiß ja nie, was so passiert, wenn eine Handvoll Männer eine große Menge Bier konsumieren. Erfahrungsgemäß leidet darunter auch die Koordinationsfähigkeit und die Scherbengefahr steigt.

Fazit

Lob und Dank an Sebastian Priller-Riegele für dieses tolle Probier-Set und das erste daraus entstandene Genusserlebnis. Man kann das Simco 3 auf jeden Fall uneingeschränkt empfehlen, auch Biertrinkern, die nicht so sehr auf IPAs fliegen. Die drei verbliebenen Biere hören sich nicht unbedingt so an, als wären sie nach meinem Geschmack, aber ich bin davon überzeugt, dass sie mich positiv überraschen und also mordsgespannt auf die nächsten Verkostungen.

Ach ja, übrigens: Bier wie Wein? Geht ganz klar!

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