Noctua, Brama und Glaux von Opificio Birrario

In den Herbstferien durfte ich mit meiner Familie und Freunden eine Woche auf einem Urlaubs-Bauernhof (Agriturismo) in der Toskana verbringen. Durch Zufall fanden wir uns sonntags mitten auf dem Stadtfest des kleinen Ortes Peccioli wieder. Und dort erlebte ich eine kleine biertechnische Offenbarung – genauer gesagt am Stand der Mikrobrauerei Opificio Birrario.

Mir fiel sofort der einfache hölzerne Stand mit der Aufschrift „Birra Artigianale“ – italienisch für Craft Beer – ins Auge, als ich den Blick über den Marktplatz schweifen ließ. Und nachdem wir eine Runde gedreht, toskanisches Schmalzgebäck und die Kandidaten für den lokalen Kuchenwettbewerb probiert hatten, durfte ich mich endlich daran machen, ein wenig Bier zu verkosten.

Peccioli

Zur Auswahl standen drei Sorten mit den vielversprechenden Namen: Noctua, Brama und Glaux. Zum Glück war nicht viel am Stand los, so dass ich in aller Ruhe dem Herrn dahinter in einem Mix aus Deutsch, Englisch und Italienisch klar machen konnte, dass ich gerne alle probieren würde. Und so schritt er schnell zur Tat und zapfte kurzerhand von seinen Bieren jeweils einen Schluck in einen Plastikbecher.

Noctua und Glaux waren im ausliegenden Flyer als „Belgian Ale“ charakterisiert. Das Noctua hat 5,5 %, eine goldene Farbe und das Aroma reifer Früchte, das Glaux ist eher bernsteinfarben und mit 6,5 % auch deutlich kräftiger im Geschmack. Klares Highlight war dann aber das Brama mit 5,0 % – schön hell und süffig mit leichten Zitrusnoten. Ich versuchte etwas mehr darüber zu erfahren und erschloss mir, dass es wohl auch einen Teil Weizenmalz haben müsste – der Braumeister sprach jedenfalls von „frumento“. Leider wurden wir dann kurz von einer historischen Trecker-Parade unterbrochen, die eine Runde um den Platz drehte.

brama-flasche brama-becher

Jedenfalls war ich angefixt und ließ mir den Plastikbecher mit Brama füllen. Auf eine schöne Schaumbildung verzichtete ich dabei gerne, denn dieses Bier war unglaublich köstlich. Der nette Braumeister, die ausgelassene Stimmung und das herrliche Getränk verleiteten mich schließlich dazu, mein Smartphone zu zücken und einen Untappd-Eintrag zu machen. Zum ersten Mal überhaupt vergab ich volle fünf Sterne. Der toskanische Brauer beobachtete mich dabei recht neugierig. Also zeigte ich ihm die App und teilte ihm meine Bewertung mit, was ihn sichtlich freute.

Selbstverständlich kaufte ich dann je eine 0,33-Liter-Flasche, denn die 0,75-Liter-Pullen hätten beim Verpacken im Koffer wohl Probleme bereitet. Glücklicherweise sind alle drei heil nach Kiel mitgekommen. Eine davon ist allerdings bereits leer – und zwar das Noctua. Und auch ohne Urlaubsfaktor schmeckte es sehr rund.

noctua

Zurück in Deutschland las ich dann mehr über die kleine Opificio Birrario auf der Website www.opificiobirrario.it, die leider nur auf Italienisch zur Verfügung steht. Aber Google Translate sei dank konnte ich ein paar weitere Fakten ermitteln. Gegründet wurde die Brauerei offenbar von drei Freunden, die ihr Hobby Heimbrauen zum Beruf gemacht haben. Ihre „Birre“ werden alle mit obergäriger Hefe gebraut und sind nicht pasteurisiert. Benannt hat man sie nach Eulenarten. Daher ziert ein Eulenmaskottchen auch die Etiketten. Und das Brama wird offenbar mit ungemälztem Weizen hergestellt, was meinen Recherchen zufolge typisch für belgische Weizenbiere ist.

Und was haben wir nun gelernt? Neben zahlreichen kulinarischen Erlebnissen, einer atemberaubenden Landschaft, sympathischen Menschen und charmanten Städten bietet die Toskana auch dem Bierliebhaber einen Reisegrund. Opificio Birrario ist nämlich nicht allein auf dem Markt. „Birra artigianale“ stand auf einigen Flaschen in lokalen Supermärkten.  Und so probierte ich unter anderem auch Erzeugnisse von Birrificio Montelupo. Aber dazu vielleicht ein  anderes Mal mehr.

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